30.06.2021
Die Geschichte fing an, als ich mich in Absprache mit meinem Mann dafür entschieden habe, mich ein ganzes Jahr lang für Gott hinzugeben.
In einer Skigondel im schönen Berner Oberland erzählten mir Christian und Benjamin ein wenig über die Arbeit ihrer Schwester Liana in Nordindien. Ich entschied mich spontan dazu, Liana in Indien zu besuchen und im dortigen Spital mitzuhelfen. Zur Überraschung vieler Menschen aus meinem direkten Umfeld erhielt ich trotz der derzeitigen Corona-bedingten Einreisebeschränkungen und der indischen Bürokratie, die nicht gerade für ihre Effizienz und Schnelligkeit bekannt ist, innerhalb von nur vier Arbeitstagen nach dem Antrag ein Arbeitsvisum für ein Jahr. Das war für mich auch das Zeichen dafür, dass Gott für mich die Wege vorbereitet hat.
In Chennai, im Süden Indiens, angekommen, war ich zunächst einfach nur fasziniert: Die Farben, die Gerüche und der Lärm gefielen mir. Nach einigen Tagen ging die Reise dann schliesslich weiter in den Norden. Vor Ort verbrachte ich mit Kate wegen Corona noch einige Tage in Quarantäne. Dies ermöglichte mir, mich langsam an die neue Situation zu gewöhnen. Zur Ablenkung verbrachte ich meine Zeit damit, die Kakerlaken und Spinnen in den Zimmern zu beseitigen.

An meinem ersten Tag im Spital war ich die ersten Stunden komplett überfordert. Ich weiss nicht genau was ich erwartet hatte, aber das war es sicher nicht: Aufgrund von Corona waren sehr viele, sehr kranke Menschen anzutreffen. In den ersten Tagen sah ich sehr viel Leid, Angst und den puren Kampf ums Überleben der Erkrankten. Es waren heftige Emotionen, die ich jeweils am Ende des Tages verspürte, da auch die Umgebung, die Arbeitskuktur und die Hygiene-Standards komplett anders waren im Vergleich zu dem, was ich mir in der Schweiz gewohnt war. Vielem im Spital stand ich auch in Anbetracht der Corona-Situation einfach nur hilflos gegenüber. Jedoch gaben mir die Abendandachten mit den Studentinnen immer wieder Kraft und Freude: Gemeinsam wurde gebetet, gesungen und in der Bibel gelesen. Das ermutigte mich sehr und war ein guter Ausgleich zum stressigen Spitalalltag.
Indien hat mich bereits jetzt schon verändert. Die Not hat mich berührt und wird sicher Veränderungen für mein Leben in der Schweiz zur Folge haben. Es geht uns in der Schweiz viel zu gut. Wir machen uns Sorgen um die kleinsten Sachen, während Menschen anderswo täglich ums Überleben kämpfen müssen. Ich denke, dass es wirklich ein Segen sein kann, sich auf das Unbekannte einzulassen, um das Bekannte mehr schätzen zu lernen.
Natascha











































































































































