News

22.10.2020

Vorschulen im Nordosten Brasiliens

Vor etwa zwei Jahren startete die Inter-Mission Schweiz mit der finanziellen Unterstützung von zwei neuen Vorschulklassen in einem abgelegenen und immer noch sehr armen Gebiet im Nordosten Brasiliens. Beide Klassen gehören zu einer lokalen Gemeinde der CICEB (Convenção das Igrejas Evangélicas do Brasil), ein Gemeindeverband, der vor über sechzig Jahren vom Schweizer Missionar Max Ott gegründet wurde. Max Ott und seine Frau Decla, waren damals die ersten evangelischen Christen an den Ufern des São Franciscos. Seit der Gründung der ersten Gemeinde bis heute, ist sehr viel gelaufen. In den grösseren Städten sind praktisch alle erdenklichen evangelischen Denominationen vertreten. Und trotzdem bleibt das Hinterland praktisch unerreichtes Missionsgebiet.

Eine andere Gruppe, wo auch nach 60 Jahren immer noch grosse Not herrscht, sind Kinder in armen Familien, die oft von den Eltern vernachlässigt aufwachsen. Im Einschulalter sind sie meistens emotional, kognitiv und sozial unvorbereitet für die öffentlichen Schulen. Sie finden keinen Anschluss, können dem Schulunterricht nicht folgen und erleiden später ein ähnliches Schicksal, wie ihre Eltern. Die CICEB hat sich zur Aufgabe gesetzt, mit Hilfe von externer finanzieller Unterstützung, sowohl die Christen im Hinterland, wie auch Kinder aus verarmten Familien zu erreichen und ihnen zu helfen.

Das Projekt der Vorschulklassen, das sich an solche Kinder richtet, läuft schon seit über neun Jahren unter dem Namen PEPE. Im Durchschnitt sind es Klassen mit 25 bis 30 Kindern zwischen 3 und 6 Jahren. Die Kinder wohnen oft bei der Grossmutter, einer alleinerziehenden Mutter, oder mit der Mutter und dem Stiefvater, aber selten in einer intakten Familie. Oft ist es der Vater, der im Gefängnis sitzt, oder einfach verschwunden ist, manchmal sogar die Mutter, wie im Fall von zwei Schwestern, die eine unserer Schulen besucht.

Als Corona im Nordosten ankam

Wie der Rest der Welt, wurden auch unsere Gemeinden vom Coronavirus gänzlich überrollt. Allerdings dauerte es beinahe so lange, wie auf den Inseln im Pazifik, bis die Pandemie bei uns ankam. Ein Zeichen, wie isoliert unser Missionscamp immer noch ist.

Trotzdem: Viele Wochen, bevor das Coronavirus in Sento Sé ankam, wurde am 17. April beinahe in ganz Brasilien ein Lockdown ausgerufen. Schulen, Geschäfte und Fabriken mussten von einem Tag auf den anderen schliessen. In den ersten Tagen durften die Menschen ihre Häuser nicht verlassen. Davon waren auch unsere Kinder und ihre Eltern direkt betroffen. Viele Menschen verloren ihre Arbeit und somit ihr Einkommen. All das, was in Europa an der Tagesordnung war: Ausgehverbot, Ausgangsbeschränkungen und Ladenschliessungen, galt nun auch hier. Aber wie ist so etwas in einer Gegend wie unsere überhaupt möglich? Wie überlebt man ohne Einkommen? Kaum eine Familie hat Essensreserven. «Hamstern» ist hier schon aus finanziellen Gründen nicht möglich. Wie soll man mit «Social Distancing» umgehen, wenn es der eigenen Natur widerspricht? Wie Abstand in den überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln halten? Wie steht es mit einer staatlichen Unterstützung?

Verteilen von Notrationen

In Anbetracht der akuten Not in den ersten Wochen, haben unsere Teams mit einem Teil der Spenden Grundnahrungsmittel angeschafft, um schwer betroffene Familien mit dem Nötigsten zu unterstützen. Sowohl in der Stadt wie in abgelegenen Winkeln auf dem Land konnten vielen Familien und insbesondere den Familien von den Kindern aus unseren Schulen, geholfen werden.

Ein staatliches Hilfspaket

Bald aber verabschiedete die Regierung unter dem Präsidenten Bolsonaro ein Hilfspacket, was für viele die Rettung in grosser Not bedeutete. Den Ärmsten wurden während vier Monaten jeweils BRL 600 (ca. CHF 100) zugesprochen. Unsere Gemeinden halfen betroffenen Familien, sich korrekt einzuschreiben, um an das Geld heranzukommen. Einige Teilnehmer von unseren Teams konnten auch davon profitieren. Einige von unseren Mitarbeitern befürchteten aber, dass sie die Unterstützung der Inter-Mission verlieren könnten und waren sehr erleichtert, dass dies nicht eingetroffen ist. Die Zukunft bleibt auch heute weiterhin ungewiss und von der Regierung kann man kaum mit weiteren Hilfspaketen rechnen.

Home-Schooling auf Brasilianisch

Durch den radikalen Lockdown haben wir anfänglich den Kontakt zu den Kindern verloren. Nun musste geklärt werden, wie sie trotz der Isolation weiterhin biblische Geschichten, aber auch Portugiesisch, Mathematik und andere Inhalte lernen können.

Trotz der wenigen technischen Mitteln und einem oft schlecht funktionierenden Internet, stellten unsere Teams einen Fernunterricht auf die Beine der recht gut funktioniert. Seit dem Lockdown werden wöchentlich Aufgaben und Unterrichtsmaterial in Umschlägen an alle Kinder zu Hause ausgeliefert. Dazu kommen auch Kurzvideos zu bestimmten Themen und Aufgabenbereichen, und bald stand ein Home-Schooling auf brasilianische Art auf den Beinen.

Der beste Kanal, um einen Dialog mit den Eltern zu führen, ist über WhatsApp. Hier wurden Gruppen zwischen Eltern und Lehrern gebildet. Nicht jeder Brasilianer besitzt einen Kühlschrank zu Hause, aber beinahe alle ein Handy mit WhatsApp. Das Team orientierte die Eltern, wie sie das Home-Schooling am besten meistern können, wie erklärten die Aufgaben, welche die Kinder erledigen sollten. Trotz diesem intensiven Kontakt fragen die Kinder immer wieder, wann sie endlich zurück in die Schule kommen dürfen. Aufgrund familiärer Verhältnisse, ist weder für die Kinder noch die Mütter das Eigenheim der sicherste Ort auf der Welt, denn sie erleben oft Gewalt und Schlimmeres zu Hause. Häusliche Gewalt hat, wie natürlich auch in der Schweiz, in Brasilien gerade in den zerrütteten Familien enorm zugenommen und einige von unseren Kindern waren direkt davon betroffen.

In Krisenzeiten expandieren

Aber jede Krisenzeit, bringt auch gute Nachrichten mit sich. So auch bei uns. Mit den anfänglichen weltweiten Kursstürzen an den Börsen, fielen auch die Währungen in vielen Schwellenländern, wie Brasilien. So reicht die zugesprochene Unterstützung der Inter-Mission in CHF heute für mehr, als der Unterhalt von zwei Vorschulen. Wir konnten mit den übrigen finanziellen Mitteln und dem Einsatz von einigen Gemeindemitglieden eine weitere Infrastruktur für eine dritte Schule in einem neuen Armenviertel von Sento Sé erstellen. Die Anfrage lag schon länger auf dem Tisch. Durch die Abwertung der Währung, ist dieses Projekt nun möglich geworden. Ab Januar, sofern der Lockdown bis dann vorbei ist, soll hier eine neue Klasse unterrichtet werden. Und dem ist nicht genug. Wenn alles planmässig verläuft, können wir in einer sehr abgelegenen ländlichen Gegend zusätzlich mit einer vierten Klasse beginnen. Die Teams für die beiden Klassen sind schon zusammengestellt und bereit, diese neuen Projekte anzugehen. Gerade die ländlichen Regionen erlauben es uns, mit noch tieferen finanziellen Mitteln Kinder zu erreichen. Natürlich sind wir enorm froh, um diese Unterstützung aus der Schweiz, umso mehr, weil nun noch mehr Kinder damit erreicht werden können.

Christoph Roth

Alle News Beiträge im Überblick

Fenster zum Sonntag

16.11.2020

Am 15. November 2020, dem "Sonntag der verfolgten Kirche", berichtete das FENSTER ZUM SONNTAG" aus Projekten der Inter-Mission in Indien. Sehen Sie sich hier die Reportage über die herausfordernde Situation unserer Projektpartner an.

» weiterlesen

Ich bin Raghav

04.11.2020

Die eindrückliche Geschichte eines Jungen, der in einem Kinderheim aufgewachsen ist, das seit vielen Jahren durch die Inter-Mission unterstützt wird - erzählt von Frieda McRae.

» weiterlesen

15 Tage Gebet für die Welt des Hinduismus

30.10.2020

Vom 8. bis 22. November 2020 sind Christen weltweit eingeladen, sich an einer Gebetsaktion für die Angehörigen des Hinduismus zu beteiligen.

» weiterlesen

Ein Kinderheim in Assam

26.10.2020

Pastor Sanjeev führt mit seiner Frau Alka das Kinderheim «Zion» von IEC (India Evangelistic Crusade) im nordindischen Bundesstaat Assam, das wir seit vielen Jahren unterstützten.

» weiterlesen

Bericht aus Brasilien

22.10.2020

Vor zwei Jahren startete die Inter-Mission Schweiz mit der Unterstützung von zwei Vorschulklassen in einem abgelegenen und sehr armen Gebiet im Nordosten Brasiliens.

» weiterlesen

48 Jahre Jebakumar in Bihar

21.10.2020

Heute vor 48 Jahren ist Brother Augustine Jebakumar dem Ruf Gottes gefolgt und im nordindischen Bundesstaat Bihar angekommen. Hier gibt es einen Clip mit einer kurzen Rede und dem Lied "Shout to the Lord" auf Hindi.

» weiterlesen

Die Geschichte von Naveena

28.09.2020

(Über)Leben im Lockdown in Indien. Die Geschichte von Naveena ist eine Geschichte von Vielen.

» weiterlesen

Newsletter

25.09.2020

Jetzt den Newsletter abonnieren! Der Newsletter ermöglicht alle zwei Monate einen Einblick: Wir informieren über Neuigkeiten unserer Projektpartner, schreiben, was uns beschäftigt und teilen jeweils auch ein paar Gebetsanliegen mit.

» zur Anmeldung

Corona-Sorgen

09.09.2020

Obwohl bei uns die Krise noch nicht überwunden ist, in vielem normalisiert sich der Alltag. Ganz anders in Indien: Sie kämpfen mit mehr als 90'000 Neuinfektionen pro Tag.

» weiterlesen

Überschwemmungen

08.09.2020

Jedes Jahr leidet die Bevölkerung von Nord-Bihar unter Überschwemmungen. Auch in diesem Jahr wurde die Gegend leider nicht davon verschont.

» weiterlesen

Christenverfolgung

07.09.2020

Obwohl Indien aktuell extrem unter der Covid-19-Krise leidet, nehmen Übergriffe auf die christliche Minderheit weiterhin zu.

» weiterlesen

Projektbericht Palmendorfschule

26.08.2020

Die Inter-Mission unterstützt seit vielen Jahren die «Palmendorfschule» im Indischen Bundesland Tamil Nadu.

» weiterlesen

Projektbericht Bartimaeus

07.08.2020

Armut darf nicht Schicksal sein! Mit dem Bartimaeusprojekt wird Menschen geholfen, die am Rande der Gesellschaft leben und sich nicht ohne Hilfe von aussen, aus ihrer Armut befreien können.

» weiterlesen

Bauarbeiten in Indien

03.08.2020

Der Kurzfilm gibt einen Einblick, wie die Hostel-Bauarbeiten unseres Projektpartners auch in Coronazeiten gut vorankommen!

» weiterlesen

Rückblick Heiner Martin Henny

01.07.2020

Ende Juni 2020 gab Heiner Martin Henny nach 33 Jahren das Präsidium der Inter-Mission Schweiz ab. Lesen Sie hier seinen persönlichen Rückblick.

» weiterlesen

Bericht aus Pakistan

25.06.2020

Auch in Pakistan ist die Situation zur Zeit sehr herausfordernd. Der kurze Bericht und die Bilder geben einen kleinen Einblick.

» weiterlesen

Gebetsbrief von GEMS - Juni 2020

15.06.2020

Lesen Sie im Gebetsbrief von unserem Projektpartner GEMS, wie sie die aktuelle Situation in ihrem Werk erleben.

» weiterlesen

Indienreise 2021

05.06.2020

Bereit für ein Abenteuer? Möchtest du etwas Neues erleben? Bist du zwischen 18 und 30 Jahre alt? Dann ist die Indienreise 2021 etwas für dich!

» weiterlesen

Verteilung Nahrungsmittel

26.05.2020

Dank dem Corona-Solidaritätsfonds können unsere Projektpartner Lebensmittel an die Bevölkerung verteilen. Vielen Dank für alle Spenden, die bereits eingegangen sind! Der kurze Film gibt einen Einblick.

» weiterlesen

Lockdown als Gefahr für die Kinder

14.05.2020

Durch den Lockdown in Indien wurden alle Schulen geschlossen und auch viele Heimkinder mussten zurück in ihre Familien geschickt werden.

» weiterlesen

Greetings from GEMS

23.04.2020

Die Herausforderungen in Indien sind weiterhin sehr gross. Im Brief von Augustine Jebakumar lesen Sie, wie unser Projektpartner GEMS mit der Situation aktuell umgeht.

» weiterlesen

Corona-Solidaritätsfonds

01.04.2020

Um unseren Projektpartnern bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie zu helfen, haben wir einen Corona-Solidaritätsfonds eingerichtet. Helfen Sie mit und unterstützen Sie unser Engagement!

» zur Projektaktion

Solidarität und Ermutigung

23.03.2020

Unsere Projektpartner in Indien müssen ihre Kinderheime und Schulen schliessen und die Kinder zu ihren Familien in die Ferien schicken. Lesen Sie hier einen Brief von Dr. Alex Philip zur aktuellen Situation.

» weiterlesen

«Indischer Abend» in der Thomaskirche

01.03.2020

Samstag 28. März 2020
in der Thomaskirche, Basel
mit Indischem Abendessen und Bericht über die Arbeit der Inter-Mission in Indien

» weiterlesen

Projektbesuch in Koath

24.02.2020

Ein Blick in eine andere Welt - Ein Bericht von einem Projektbesuch in Koath (Bihar, Indien)

» weiterlesen

Benefizkonzert in der Thomaskirche in Basel

17.02.2020

Rückblick über das Benefizkonzert vom 8. Februar 2020

» weiterlesen

Buch von Brother Augustine Jebakumar

01.02.2020

Glauben. Lieben. Ernten. Mein Leben für die Unerreichten Indiens
Brother Augustine Jebakumar

» weiterlesen
×