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Meine Tätigkeit bei der Inter-Mission Schweiz nahm nicht, wie man erfahrungsgemäss meinen könnte, anlässlich eines Missionsvortrages oder einer Reise nach Indien ihren Anfang, sondern während der Familienferien 1987 in der Toskana. Vorangegangen war eine intensive fünfjährige berufliche Phase, die mich viel Zeit und geistige Substanz kostete. Daraufhin nahm ich mir für die kommenden Monate vor, mich vermehrt mit dem Wort Gottes zu beschäftigen und Zeit im Gebet zu verbringen, oder auf Neudeutsch ein Sabbatical einzulegen.

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Gott mir Indien als nächsten Einsatzort aufs Herz legen würde, hatte ich doch zu jener Zeit keine Beziehungen zu diesem riesigen Land. Klar war mir damals nur, dass der innere Eindruck als Ruf Gottes zu verstehen sei. Das hiess für mich, abwarten und aufmerksam sein für weitere Anweisungen. Diese liessen auch nicht auf sich warten. Etwa ein Jahr nach diesem durch Gebet erhaltenen Eindruck trat jemand aus unserer damaligen Gemeinde mit der Bitte an mich heran, die Aufgabe des Präsidiums der Inter-Mission Schweiz zu übernehmen. Sofort wusste ich, wie ich darauf zu antworten hatte.

Es folgte eine intensive Einarbeitung in die Strukturen des damaligen kleinen Schweizer Zweiges der Inter-Mission Deutschland. Nachdem ich mir eine Übersicht verschafft und einige Leute persönlich kennengelernt hatte, entschloss ich mich mir vor Ort ein Bild des christlichen Sozialwerkes zu machen. 1988 reisten wir zu dritt nach Indien. Was für erschütternde und desolate Zustände wir als unvorbereitete Westler dort antrafen, lässt sich nicht in Worte fassen. Umso stärker berührten uns die Tätigkeiten und die Hingabe der einheimischen Missionare und die Veränderungen, die durch ihren Einsatz sichtbar wurden. Das motivierte mich, die Arbeit in der Schweiz umso intensiver voranzutreiben. Zusammen mit Freunden begann ich die Mission neu zu organisieren, Veranstaltungen mit indischen Partnern durchzuführen und neue Projekte zu entwickeln. Einschneidend, aber organisatorisch sehr hilfreich, war die Abkoppelung von der Inter-Mission Deutschland. Seither gibt es die beiden rechtlich voneinander unabhängigen Zweige Inter-Mission Deutschland und Inter-Mission Schweiz. Trotz, oder vielleicht wegen dieser Abkoppelung erfreuen wir uns heute einer sehr freundschaftlichen und fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Inter-Mission Deutschland. Wir hatten uns als Inter-Mission Schweiz entschieden, auf Hauptamtliche zu verzichten und stemmen die ganze Arbeit ehrenamtlich. Es ist ein Privileg, dass viele Freunde in der Schweiz es sich leisten können, ein so zeitintensives Engagement wie beispielsweise im Vorstand zu übernehmen, ohne finanzielle Engpässe befürchten zu müssen. Betriebliche Restrukturierungen, die in der Wirtschaft manchmal negative Nachwirkungen mit sich ziehen, haben bei der Inter-Mission Schweiz bewirkt, dass das Werk wachsen konnte und heute, gemessen am Spendenaufkommen, sechsmal grösser ist als zum Zeitpunkt vor der Umstellung auf ehrenamtliche Mitarbeit. Während der folgenden Jahre konnten dank der Unterstützung vieler Spender und der Mitarbeit indischer Partner Tagesschulen, Primar- und Sekundarschulen, Gymnasien, Spitäler und eine Fachhochschule gebaut werden. Tausenden von Kindern und Jugendlichen stand so die Möglichkeit offen, überhaupt eine Schule zu besuchen oder sich gar an höheren Schulen weiterzubilden. Die beiden Spitäler in Bihar stehen nicht nur Patienten offen, sie sind auch Ausbildungsstätten für medizinisches Personal. Es erfüllt uns mit dankbarem Staunen, wie Gott aus bescheidenen Anfängen Kinderheime, Bildungsstätten und Gesundheitszentren entstehen liess. Von der offensichtlichen Opfer- und Leidensbereitschaft der indischen Mitarbeiter konnten wir viel lernen. Während der rund 30 Indienreisen durften wir erleben, wie unsere gemeinschaftliche Arbeit in Indien Früchte trug.

Dass zum Licht auch Schatten gehört, ist keine neue Erkenntnis. In der Kirchengeschichte können wir viele Beispiele dazu entdecken. Negative Vorkommnisse auf allen Ebenen sind auch in den vergangenen fruchtbaren Jahren bei der Inter-Mission nicht ausgeblieben. Enttäuschungen über Verhaltensweisen im Umgang mit Finanzen und Verträgen bei einzelnen indischen Partnern zwangen uns zu besonderer Achtsamkeit mit den uns anvertrauten Mitteln und Gaben. Im Rückblick bin ich aber sehr dankbar, dass die vertrauensvollen Beziehungen und Partnerschaften bei weitem überwiegen. Es ist mir ein Anliegen, einige Freunde in meinem Rückblick explizit zu erwähnen. Sie haben die Inter-Mission Schweiz in den 33 Jahren fast ohne Unterbrechung begleitet und unschätzbare Dienste verrichtet. Ohne ihr Engagement wären wir nicht da, wo wir heute sind:

Philippe: Als mein Geschäftspartner ist er ein Vollblut-Allrounder und erfüllt darüber hinaus ehrenamtlich die Aufgabe als Geschäftsführer der Inter-Mission Schweiz. Sämtliche Anfragen, Probleme – auch technische, Telefonanrufe aus dem In- und Ausland, Korrespondenz etc. landen früher oder später auf seinem Schreibtisch und warten auf Bearbeitung. Das erfordert eine grosse Flexibilität im Büroalltag, denn die Arbeit für die Inter-Mission verläuft oft parallel zu seiner beruflichen Haupttätigkeit.

Georges: Er fühlte sich dazu berufen, die Buchhaltung der Inter-Mission zu übernehmen. Diese Arbeit tat er äusserst gewissenhaft und mit einer ansteckenden Fröhlichkeit, die mir immer noch in bester Erinnerung bleibt. Nachdem er die Arbeit in jüngere Hände gelegt hatte, erkrankte Georges schwer und verstarbt bald darauf.

Hans: Er begleitete mich von Anfang an durch alle Höhen und Tiefen bei der Inter-Mission. Als selbstständiger Ingenieur hat er sich seine Arbeit so eingeteilt, dass ihm in erster Linie genügend Zeit für die Betreuung der beiden grössten Partnerorganisationen GEMS und NIEA in Bihar zur Verfügung stand. Seine Bescheidenheit und sein väterliches Wesen verschafften ihm auf vielen Indienreisen grosses Vertrauen bei den leitenden Mitarbeitern dieser beiden Werke, eine Frucht, die sich sehen lässt.

Berti: Auch er fühlte sich von Gott gerufen, bei der Inter-Mission die zeitaufwändige Patenschaftsverwaltung zu übernehmen. Dies bedingte allerdings eine Reduktion seiner Arbeit als Sozialarbeiter und entsprechend ein kleineres Einkommen für sich und seine Familie. Es war eine Freude ihn bei der Umsetzung seines Anliegens zu erleben, die vielen Heimkinder den richtigen Paten zuzuweisen und den Briefkontakt der Paten zu ihren Kindern zu ermöglichen. Heute liegt die Verantwortung für die Patenschaftsverwaltung bei Stefan.

Fritz: Als ehemaliger Vizedirektor eines der grössten Pharmaunternehmen kam er nach seiner Pensionierung zur Inter-Mission und erachtete es als ein besonderes Vorrecht, bis ins hohe Alter - sogar vom Altersheim aus - die wichtige Aufgabe des Sekretärs zu übernehmen, bis ihn unser himmlischer Vater in eine bessere Welt abberief.

Samuel: Sam kannte ich von der Vereinigung der Freien Missionsgemeinden, die er präsidierte. Sein wohlwollender Umgang, seine Menschenkenntnis sowie die umfassende Vernetzung mit führenden Leitungsmitgliedern im christlichen wie im säkularen Umfeld dienten ebenfalls als Türöffner bei der Entwicklung unserer noch jungen Mission.

Oliver: Er hat sich wie kein anderer von Inter-Mission Schweiz in das Projekt Thoraipakkam in Chennai vertieft, vor Ort komplizierte Verträge ausgehandelt, an Telefonkonferenzen teilgenommen und versucht, das nicht immer nachvollziehbare Verhalten der indischen Mentalität richtig einzuordnen. Der Bau des Polytechnikums wurde in der Hauptsache unter seinem engagierten Sponsoring möglich.

Annarös und Markus: Mit Markus unternahm ich die erste unvergessliche Indienreise. Ein folgenschwerer Unfall in den Schweizer Bergen erlaubte es Markus danach nicht mehr, beruflich tätig zu sein. Dafür engagierten er und Annarös sich über 30 Jahre für den Rundbriefversand und die Adressverwaltung. Exaktheit und Pünktlichkeit sind unabdingbar bei dieser Arbeit, Eigenschaften, welche Schweizers besonders ausmachten. Markus nimmt nach wie vor an den regelmässigen Gebetstreffen für die Inter-Mission teil. Ihre langjährige konstante Mitarbeit war ein grosser Segen für die Mission. Seit dem Rücktritt von Schweizers kommt der Rundbrief nun aus Rubigen, wo er in der Wohnstube von Susanne und André eingepackt und verschickt wird.

Herbert: Er ist pensionierter Handelslehrer und trat in die Fussstapfen von Georges. Als hochqualifizierter Berufsmann mit viel Liebe zur Buchhaltung und einer festen Bereitschaft, diese Arbeit solange zu tun, wie Gott ihm die Gesundheit schenkt und der Zeitaufwand es zulässt, ist er in seiner Funktion als Spendenbuchhalter nicht mehr wegzudenken.

Peter: Er erwies sich auf meinen zahlreichen und oft schwierigen Indienreisen als weiser brüderlicher Begleiter. Seine langjährigen Indienerfahrungen waren von unschätzbarem Wert und öffneten uns viele Türen, die sonst verschlossen geblieben wären. Bis heute verbindet uns eine tiefe Freundschaft. Ohne ihn hätte sich die Inter-Mission Schweiz nie so gut entwickelt.

Die Inter-Mission ist ein grosser Organismus. Alle, die daran arbeiten, wissen sich der Aufgabe von Gott verpflichtet. Deshalb funktioniert dieser Organismus auch dann, wenn einmal ein Teil leidet, sich durch jemand anders ersetzen lassen muss oder gar zu seinem himmlischen Vater abberufen wird. Ich danke allen, die mich in den vergangenen 33 Jahren in irgendeiner Form unterstützt haben und für die gute Zusammenarbeit, die uns über die Jahre zu einer Familie zusammenwachsen liess. Meine Aufgabe als Präsident lege ich nun getrost in jüngere Hände, werde aber, solange ich die Gesundheit dazu habe, weiterhin im Vorstand mitarbeiten und mich vor allem für die beiden Partnerwerke GEMS und NIEA in Bihar einsetzen.

Meinem Nachfolger wünsche ich von Herzen Gottes reichen Segen, seine Kraft, die alle Morgen neu ist und die Weisheit, in allen Situationen die Ruhe zu bewahren im Wissen, dass nichts geschieht, das Gott nicht weiss.

Alle News Beiträge im Überblick

Projektbericht Bartimaeus

Armut darf nicht Schicksal sein! Mit dem Bartimaeusprojekt wird Menschen geholfen, die am Rande der Gesellschaft leben und sich nicht ohne Hilfe von aussen, aus ihrer Armut befreien können.

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Bauarbeiten in Indien

Der Kurzfilm gibt einen Einblick, wie die Hostel-Bauarbeiten unseres Projektpartners auch in Coronazeiten gut vorankommen!

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Bericht aus Pakistan

Auch in Pakistan ist die Situation zur Zeit sehr herausfordernd. Der kurze Bericht und die Bilder geben einen kleinen Einblick.

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Corona-Solidaritätsfonds

Um unseren Projektpartnern bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie zu helfen, haben wir einen Corona-Solidaritätsfonds eingerichtet. Helfen Sie mit und unterstützen Sie unser Engagement!

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Indienreise 2021

Bereit für ein Abenteuer? Möchtest du etwas Neues erleben? Bist du zwischen 18 und 30 Jahre alt? Dann ist die Indienreise 2021 etwas für dich!

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Rückblick Heiner Martin Henny

Ende Juni 2020 gab Heiner Martin Henny nach 33 Jahren das Präsidium der Inter-Mission Schweiz ab. Lesen Sie hier seinen persönlichen Rückblick.

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Gebetsbrief von GEMS - Juni 2020

Lesen Sie im Gebetsbrief von unserem Projektpartner GEMS, wie sie die aktuelle Situation in ihrem Werk erleben.

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Verteilung Nahrungsmittel

Dank dem Corona-Solidaritätsfonds können unsere Projektpartner Lebensmittel an die Bevölkerung verteilen. Vielen Dank für alle Spenden, die bereits eingegangen sind! Der kurze Film gibt einen Einblick.

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Lockdown als Gefahr für die Kinder

Durch den Lockdown in Indien wurden alle Schulen geschlossen und auch viele Heimkinder mussten zurück in ihre Familien geschickt werden.

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Solidarität und Ermutigung

Unsere Projektpartner in Indien müssen ihre Kinderheime und Schulen schliessen und die Kinder zu ihren Familien in die Ferien schicken. Lesen Sie hier einen Brief von Dr. Alex Philip zur aktuellen Situation.

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Greetings from GEMS

Die Herausforderungen in Indien sind weiterhin sehr gross. Im Brief von Augustine Jebakumar lesen Sie, wie unser Projektpartner GEMS mit der Situation aktuell umgeht.

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Projektbesuch in Koath

Ein Blick in eine andere Welt - Ein Bericht von einem Projektbesuch in Koath (Bihar, Indien)

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Benefizkonzert in der Thomaskirche in Basel

Rückblick über das Benefizkonzert vom 8. Februar 2020

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Buch von Brother Augustine Jebakumar

Glauben. Lieben. Ernten. Mein leben für die Unerreichten Indiens
Brother Augustine Jebakumar

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«Indischer Abend» in der Thomaskirche

Samstag 28. März 2020
in der Thomaskirche, Basel
mit Indischem Abendessen und Bericht über die Arbeit der Inter-Mission in Indien

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