04.12.2023

Esina, eine alte Frau, sprach mich nach dem Gottesdienst an. Sie erzählte mir von ihrer familiären Not, einer kranken Tochter und von ihrer Überforderung. John und ich besuchten Esina und fanden eine Schar von Kindern in armseligen Verhältnissen vor. Ein kleiner Junge mit verkürztem Bein humpelte herum. Ruth, Esinas Tochter, konnte sich nur mit Mühe und mithilfe eines Stockes vom Boden erheben und war kaum imstande zu gehen. Ihre Tochter, Esinas Enkelin Nora, half ihr aufzustehen. Das Geld fehle für genauere Untersuchungen. Ruth sei diabeteskrank, erfuhren wir.

Ein Sohn von Esina war umgebracht worden und hatte ihr seine Kinder hinterlassen, ein anderer sass zur Zeit unseres Besuches im Gefängnis. Einige Töchter ohne Ehemänner wohnten auch noch mit ihren Kindern in der schäbigen Hütte – insgesamt 18 Personen, ausschliesslich Frauen und Kinder in bedenklichem Gesundheitszustand. Die Armut war erdrückend.
Das kleine Zuhause von Esina und ihrer Familie bestand aus zwei unfertigen Räumen, einer baufälligen Küche und einer sehr alten Aussentoilette. Nora hat die 6. Klasse abgebrochen, weil das Geld fehlte und half nun im Haushalt. Ein kleines Einkommen erhielten Esina und einige der älteren Jungen durch Gelegenheitsarbeiten. In der Nähe gab es eine unfertige Ruine – sie sollte einmal eine Wohnung zum Vermieten werden und gehörte Ruth, jedoch fehlte nach dem Tod ihres Mannes, er starb an AIDS, das Geld für den Weiterbau.

Geschichten wie diese gibt es in Tongolo viele – zu viele. Hilfe ist nicht einfach, die Not komplex. John und ich beten viel in solchen Situationen. Inmitten von so viel Armut ist es unmöglich zu entscheiden, ob und wie wir helfen sollen. Im Fall von Esina beschlossen wir zu helfen. Wir starteten mit wöchentlichen Nahrungsmittelpaketen, halfen, das unfertige Haus Esinas instand zu stellen. Für Ruth konnten wir Krücken besorgen.
Wir wollen ihnen auch längerfristig helfen, sodass sie selbst für sich sorgen können. Durch einen Sponsor konnten wir die Bauruine zu einem einfachen Gebäude fertigstellen, welches nun genutzt und auch vermietet wird. So kommt etwas Geld herein für die Familie. Veränderung passiert meistens langsam. Armut lähmt und Eigenmotivation wächst ganz langsam durch Wertschätzung und Beziehung.

Wir sind dankbar für die unkomplizierte Hilfe, die wir immer wieder leisten können. Trotzdem gibt es immer noch viel Leid in Esinas Familie. Ruth, ihre Tochter, ist in der Zwischenzeit gestorben, Nora, eine junge Frau von 19 Jahren, hat noch keine Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen.
Es gibt noch viel zu tun, und es braucht Weisheit von unserem Gott, um die richtigen Schritte zur richtigen Zeit zu tun.
Andrea Tischhauser, Projektleiterin







































































































































