08.06.2022
Ein Zuhause ist mehr als ein Heim
Vor 30 Jahren begannen wir drei Polio-Heime von GEMS (Gospel Echoing Missionary Society) in Nordindien zu unterstützen. Kinderlähmung (Poliomyelitis, kurz Polio) kam damals in Indien leider sehr häufig vor und war sehr einschneidend für das ganze Leben. Normalerweise konnten Betroffene nicht gehen, waren somit sehr benachteiligt und wurden stark ausgegrenzt. Die Inter-Mission hat über 200 Kinder und Jugendliche in ihre Heime aufgenommen. Ihnen wurde eine Operation ermöglicht, damit sie mit Hilfe von Krücken aufrecht gehen konnten. Sie bekamen einen Ausbildungsplatz, damit sie trotz ihrer körperlichen Beeinträchtigung einen Beruf erlernen konnten. Auch wenn seit den letzten zehn Jahren, dank breit abgestützter Impfkampagnen auch in den ärmsten Gebieten Indiens wie in Bihar, kaum neue Fälle auftreten, sind viele Poliokranke immer noch sehr froh um die Unterstützung von GEMS. Jobsuche und Heirat sind durch ihre körperlichen Nachteile für sie sehr viel schwieriger. Wir freuen uns sehr, dass viele der ehemaligen Polio-Kinder mit beiden Beinen im Leben stehen.

Wiedersehen in Dankbarkeit
Heera, Love und Kanchan wuchsen alle drei im Polioheim auf. Als ehemalige Heimkinder luden sie Betreuer, Lehrpersonen, Pastoren und alle Bewohner des Heimes zu einem ganz besonderen Anlass ein. Es war ein frohes und farbiges Fest im Zeichen der Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber Gott und Dankbarkeit gegenüber allen, die ins Heim und in die Leben der Heimkinder investiert hatten. Fröhliche christliche Dankeslieder und Gedanken aus der Bibel gehörten ebenso dazu wie ein geschichtlicher Rückblick und gute Gemeinschaft. Die vielen Anwesenden teilten ihre persönlichen, ermutigenden Zeugnisse, wie sie nicht nur körperlich verändert wurden, sondern durch den Glauben auch eine neue Perspektive im Leben erhalten haben.
Der Wunsch, etwas von dem Guten, das sie im Leben erfahren durften, an andere Menschen in Not und Hilflosigkeit weiterzugeben, kam immer wieder zum Ausdruck. Auf diese Weise zieht die Arbeit von GEMS immer weiter Kreise und der Segen, den die Einen erfahren haben, kommt Anderen zugute.

Mein Name ist Sanju. Meine Tanten brachten mich ins Polioheim von GEMS, weil ich körperlich etwas eingeschränkt bin. Als erstes Mädchen im Heim besuchte ich die Schule von der ersten bis zur zehnten Klasse. Gott war mit mir die ganze Zeit, das habe ich gespürt. Ich bin meinen Sponsoren, die mich all diese Jahre finanziell unterstützten, sehr dankbar. Nach der zwölften Klasse begann ich eine Pflegeausbildung und heute arbeite ich im Krankenhaus von GEMS. Ich danke Gott für die Wege, die er mich geführt hat und kann mir gar nicht vorstellen, wie mein Leben aussehen würde, wenn ich nicht ins Heim gekommen wäre.

Mein Name ist Heera (Mit-Organisator des Ehemaligen-Festes im Heim in Duddhi). «Die Tür, die Gott geschlossen hat, kann niemand öffnen und die Tür, die Gott geöffnet hat, kann niemand schliessen.“
Gott handelte in meinem Leben ähnlich wie bei Noah, als Gott eigenhändig die Tür schloss, damit Noah die Tür auf keinen Fall öffnete - bis zu dem Zeitpunkt, als Gott selbst sie wieder öffnete (1. Mose 7,16).
Die Spuren, die Gott in meinem Leben hinterlassen hat, sind bereits in meiner Kindheit erkennbar. Angesprochen durch den Jesusfilm, der in meinem Dorf gezeigt wurde, wollte ich als kleiner Hindujunge mehr von Jesus wissen. Mein anfängliches Interesse wurde aber bald durch andere Dinge verdrängt. Doch Gott vergass mich nicht. Im Jahr 2005 kam ich ins Polioheim in Duddhi. Ich besuchte dort die Schule bis zur 12. Klasse. Obwohl ich täglich betete und über Bibelversen meditierte, passierte gar nichts in meinem Leben. Das sagte mir alles nichts. Sieben Jahre später immatrikulierte ich an der Lucknow Universität für einen BCA-Studium. Die Anmeldung und die Bezahlung der Studiengebühren erfolgten fristgerecht, doch Gott hatte einen anderen Plan für mich.
Gottes Wege waren anderes als meine Wege, das zeigte mir Gott deutlich. Als ich das erkannte, gab ich mein Leben in die Hände von Gott und liess mich im Jahr 2013 taufen. Ich begann den Diplomkurs in christlicher Leiterschaft am Timothy Bible Institut von GEMS. Danach trat ich eine theologische Ausbildung am Bible College an. Nach meinem Abschluss im Jahr 2015 kam ich zu GEMS, wo ich heute als Missionar im Schulungsbereich arbeite. Gerne würde ich mein Theologiestudium noch fortsetzen, um noch mehr über und von der Bibel zu lernen. Ich bete, dass Gottes Wege mich eines Tages dorthin führen werden.








































































































































